Viele Unternehmen nutzen den Herbst, um Werbung in eigener Sache zu machen. Beispiel Novartis: Beim Basler Pharmakonzern ist der Finanzkalender für September prall gefüllt. Das SMI-Schwergewicht nimmt – virtuell und mit persönlicher Präsenz – an insgesamt zehn solchen Anlässen teil. Neben Paris, London, München und dem am Bodensee gelegenen Ermatingen gehört New York zu den Zielen des Managements. In der US-Metropole zählt Novartis unter anderem zu den Teilnehmern von «Bernstein Insights: Healthcare Leaders and Disruptors». Auf dieser Konferenz könnte es am 23. September zu einer Begegnung mit Moderna kommen. Das US-Biotechunternehmen hat die Teilnahme an der dritten Auflage dieses Gesundheitsforums ebenfalls zugesagt. Gut möglich, dass die Verantwortlichen von Moderna den Kollegen aus Basel in puncto Aufmerksamkeit den Rang ablaufen. Schliesslich zählt der Biotechtitel an der Wall Street zu den Aktien der Stunde.
Seit dem Jahreswechsel hat sich die Kapitalisierung von Moderna annähernd verfünffacht. Damit belegt das Papier im Performance-Ranking der knapp 3'400 im Nasdaq Composite Index enthaltenen Unternehmen den elften Platz. Regelrecht abgehoben ist Moderna Mitte August. Zuvor hatte das Unternehmen Forschungsdaten zu einem innovativen Hautkrebs-Impfstoff vorgelegt. Kombiniert mit der Immuntherapie Keytruda des Partners Merck & Co konnte der mRNA-Impfstoff Intismeran in einer zulassungsrelevanten klinischen Studie sämtliche Ziele erreichen. Bei den mehr als 1'100 teilnehmenden, an einem schwarzen Hautkrebs leidenden Patienten wurden zunächst die genetischen Veränderungen im Tumor analysiert und dann wurde das Vakzin gezielt auf die individuellen Merkmale ausgerichtet. Gleichzeitig aktiviert Keytruda das Immunsystem, damit die Krebszellen vom Körper erkannt und angegriffen werden können. Gemeinsam verabreicht, haben die beiden Wirkstoffe sowohl ein erneutes Auftreten als auch die Ausbreitung des Tumors deutlich eingedämmt.
Für Moderna steigen damit die Chancen, über den Corona-Impfstoff hinaus signifikantes Geschäft aufzubauen. Die Analysten der Bank Barclays trauen der neuen Hautkrebstherapie bis 2035 einen Umsatz von rund USD Mrd. 3 zu. Gleichzeitig könnten sich für die Onkologie im Allgemeinen völlig neue Perspektiven auftun. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankt einer von fünf Menschen im Laufe seines Lebens an Krebs. 2024 sind weltweit nahezu 10 Mio. Patienten dieser Krankheit zum Opfer gefallen. Damit war sie nach Herz-Kreislauf die zweithäufigste Todesursache. Der Blick nach vorne sieht düster aus: Ohne entschlossene Gegenmassnahmen könnte die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen der WHO zufolge bis 2050 von derzeit rund 20.6 Mio. auf annähernd 35 Mio. steigen.
Weltweit arbeiten Forscher daran, dieser Bedrohung Herr zu werden. Gleichzeitig ist die Onkologie ein Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie. Laut Vision Research wurden 2024 rund um den Globus USD Mrd. 321.19 erwirtschaftet. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf die Behandlung von Krebs. Den Marktforschern zufolge könnten die Umsätze bis 2034 auf mehr als USD Mrd. 900 steigen (siehe Grafik). Damit würde die Onkologie eine jährliche Wachstumsrate von 10.9% erreichen. Eine besonders schnelle Gangart sehen die Experten in Europa. Auf dem alten Kontinent rechnen sie bis 2034 mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung der Onkologieumsätze von 15.8%. Nicht nur Moderna und Merck & Co. mischen in diesem Geschäft mit. Auch in der Schweiz wird fleissig geforscht. Sicherlich wird Novartis seine Onkologiesparte an den verschiedenen Investorenanlässen im September thematisieren. Roche ist ebenfalls unterwegs und richtet am 28. September den «Pharma Day 2026» aus. In London steht Matt Hellmann, der Chef der onkologischen Produktentwicklung, auf der Rednerliste. Kurzum: In den kommenden Herbstwochen dürfte der Pharmasektor im Allgemeinen und die Krebs-Pipeline im Speziellen im Fokus der Investoren bleiben.
Stand: 10. September 2026; Quelle: Moderna
Stand: 28. Februar 2025; Quelle: Vision Research