Am 31. Oktober ist es wieder so weit: Kinder ziehen, verkleidet als Vampire, Hexen und Gespenster, durch die Strassen und sammeln Süssigkeiten. Längst hat dieser aus Amerika stammende Brauch auf dem alten Kontinent Fuss gefasst. Während das Gruseln zu Halloween fest im Kalender verankert ist, treibt ein von Politikern, Währungshütern, Verbrauchern, Unternehmen und nicht zuletzt Anlegern gefürchtetes Schreckgespenst in unregelmässigen Abständen sein Unwesen. Die Rede ist von der Inflation. Indem das allgemeine Preisniveau über Gebühr nach oben geht, wird das Geld entwertet. Es ist die Aufgabe der Zentralbanken, solchen für Verbraucher und Wirtschaft schädlichen Entwicklungen entgegenzuwirken. Die Funktionsträger in diesen Institutionen werden daher auch als «Währungshüter» bezeichnet. Ein gewisses Mass an Inflation ist erwünscht. Beispielsweise erachtet die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig eine Teuerungsrate von rund 2% als ideal für Preisstabilität und Wirtschaftswachstum. Das U.S. Fed und die Bank of Japan (BoJ) arbeiten ebenfalls mit dieser Vorgabe. Derweil strebt die Schweizerische Nationalbank eine Bandbreite von 0% bis 2% an.
Was die Inflation betrifft, kann die SNB gerade relativ entspannt sein. Zwar bekommt die Schweiz die im Zuge des Irankrieges sprunghaft gestiegenen Energiepreise zu spüren, doch insbesondere der starke Franken dämpft den Auftrieb. Im September bewegte sich der Landesindex der Konsumentenpreise um 1.0% über dem Niveau des Vorjahresmonats. Von einem solchen Niveau können die meisten anderen Mitglieder der OECD nur träumen. Im August erreichte die Inflation in den 38 Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Mittel 4.3%. Allerdings fiel der Teuerungsdruck in der Vergangenheit schon stärker aus. Beispielsweise sorgten die im Zuge der Corona-Pandemie kollabierenden globalen Lieferketten vor einigen Jahren für einen regelrechten Preisschock. Gleichwohl liegt die Inflation im OECD-Raum momentan deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (siehe Grafik).
Mit Ausnahme der SNB sahen sich die erwähnten Notenbanken zu Reaktionen gezwungen. Im September haben EZB, Fed und BoJ die geldpolitischen Zügel gestrafft. Einen solchen Gleichklang dieses Trios, sprich Zinserhöhungen im selben Monat, gab es bisher noch nie. «Die meisten Industrieländer sehen sich mit Preisdruck konfrontiert», stellte Fed-Chair Kevin Warsh fest. Es sieht nicht danach aus, als könne der im Mai von US-Präsident Donald Trump ins Amt gehievte Notenbankchef einem im Weissen Haus innig gehegten Wunsch erfüllen. Trump pocht auf eine Lockerung der Geldpolitik. Anders als beim Vorgänger, Jerome Powell, hält er sich aber bis dato mit Attacken auf den neuen Mann an der Fed-Spitze zurück – was auch damit zu tun haben könnte, dass der Präsident selbst mit dem Waffengang gegen den Iran für einen kräftigen Preisschub gesorgt hat. Im September lag die Inflationsrate in den Staaten mit 3.7% um 0.3 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats.
Da im Nahen Osten nicht wirklich von einer Lösung gesprochen werden kann, hält sich der Ölpreis auf einem hohen Niveau. Das Inflationsgespenst dürfte also über Halloween hinaus Angst und Schrecken verbreiten. Während Verbraucher relativ wenig Reaktionsmöglichkeiten haben, können Anleger durchaus etwas tun. Es gibt eine Reihe von Assets, die in Inflationsphasen relativ gut abschneiden. Im festverzinslichen Bereich können die gestiegenen Renditen die Geldentwertung ein Stück weit abfedern. Naturgemäss zeigen Rohstoffe eine direkte Korrelation mit dem Preisniveau. Zu guter Letzt sind Immobilien und bestimmte Aktien ein probates Mittel, um dem Inflationsgespenst die Stirn zu bieten. Die Strategen von Swissquote habe es sich schon vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Anlagen optimal zu kombinieren, und den Swissquote Inflation Index lanciert – die Strategie bewegt sich auf Rekordniveau.
Quelle: OECD Data Explorer; Stand: Oktober 2026