Donald Trump glaubt weder an den Klimawandel noch an die Energiewende. Der US-Präsident lässt kaum eine Gelegenheit aus, um gegen die erneuerbaren Stromquellen vom Leder zu ziehen. Eine Kostprobe dieser Haltung gab er am diesjährigen WEF. In Davos nahm sich der Republikaner die Windkraft vor. «Anstatt ineffektive, verlustreiche Windräder zu bauen, reissen wir sie ab und genehmigen keine neuen», erklärte der US-Präsident. Die Realität sieht anders aus. Nicht nur, dass in den USA die von der Regierung angeordneten Baustopps für mehrere Windparks von den Gerichten einkassiert wurden, weltweit schreitet der Ausbau der regenerativen Energieträger voran. Laut aktuellen Zahlen der Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) erreichte die Gesamtkapazität der «Erneuerbaren» im vergangenen Jahr 5'149 Gigawatt (GW). Das bedeutet einen Anstieg um 15.5% gegenüber 2024. Annähernd 86% der im vergangenen Jahr weltweit aufgebauten Energiekapazitäten gehen auf erneuerbare Quellen zurück.
«Inmitten unsicherer Zeiten schreitet der Ausbau der erneuerbaren Energien beständig und unerschütterlich voran», kommentierte Francesco La Camera, Generaldirektor der IRENA, die Ergebnisse der «Renewable Capacity Statistics 2026». Besonders gefragt ist die Photovoltaik. Die Solarenergie machte 2025 rund drei Viertel des Gesamtausbaus der erneuerbaren Energien aus. Doch auch die Trump so verhasste Windenergie erlebte einen deutlichen Zuwachs. Damit hat diese Stromquelle in puncto Kapazitäten weltweit betrachtet zu der seit jeher wichtigen Wasserkraft aufgeschlossen. Mit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten gewinnen Sonne, Wind und Wasser als Energiequellen noch einmal an Bedeutung. Seit die USA Ende Februar gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen haben, ist der Ölpreis um gut die Hälfte gestiegen.
Damit erlebt die Welt nach dem Covid-Schock von 2020 und dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 bereits die dritte Energiekrise im laufenden Jahrzehnt. Vor allem die faktische Blockade der Strasse von Hormus schürt die Sorge vor Engpässen. Durch die Meerenge wird in normalen Zeiten rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert. Nach Ansicht des IRENA-Direktors liefert diese Situation klare Argumente für die erneuerbaren Quellen. «Länder, die in die Energiewende investiert haben, überstehen diese Krise mit geringeren wirtschaftlichen Schäden, da sie damit für mehr Energiesicherheit, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sorgen», meint Francesco La Camera. Anders als Öl und Gas kann Energie mit Hilfe von Sonne, Wind und Wasser vor Ort erzeugt werden und ist dadurch sofort abrufbar.
Ganz zu schweigen von den Kosten: Technologischer Fortschritt und Skaleneffekte führen dazu, dass die regenerativen Energieträger immer günstiger werden. Die IRENA taxiert die durchschnittlichen Gestehungskosten für eine Kilowattstunde (kWh) Sonnenstrom im Jahr 2024 auf USD 0.043. Innert einer Dekade ist dieser Satz damit um drei Viertel gefallen. Auch die Gestehungskosten für die Produktion von Strom mittels Windkraft an Land (onshore) sowie auf offener See (offshore) sind rapide zurückgegangen. Mit USD 0.034 je kWh lagen die Gestehungskosten im Onshore-Segment 2024 sogar noch ein Stück unter denjenigen der Photovoltaik. Laut der IRENA sind die erneuerbaren Energien damit die günstigste Option für neu installierte Kraftwerke. 2024 lieferten der Organisation zufolge 91% der in Betrieb genommenen Grossanlagen Strom aus erneuerbaren Energien zu tieferen Kosten als die günstigste neue Alternative auf Basis fossiler Brennstoffe.
Stand: 01. April 2026; Quelle: IRENA
Stand: Juli 2025; Quelle: IRENA