Neuanfänge entstehen an der Börse selten aus Romantik. Vielmehr sind sie oft eine Antwort auf Erschütterungen. Genauso liest sich die anstehende Frühjahrsrevision des FuW 50 Index, die am 7. Mai nach Börsenschluss umgesetzt wurde. Sie fällt in eine Zeit, in der Anleger von Schock zu Schock hasten: erst das Zollchaos aus Washington unter Donald Trump, dann der Energieschock des Irankriegs, zuletzt wieder die Frage, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen der Hyperscaler überhaupt rechnen. In diesem Klima wirkt die Indexrevision wie eine Inventur der Widerstandskraft. Denn in volatilen Phasen ist nicht nur entscheidend, welche Aktien man besitzt, sondern auch, wie stark sie ein Portfolio dominieren. Der von der Redaktion der Finanz und Wirtschaft entwickelte FuW 50 ist genau als Gegenentwurf zu einem zu stark konzentrierten Schweizer Leitmarkt konstruiert worden: weg von der Übermacht weniger Riesen wie beim SMI, hin zu einem breiteren Abbild des heimischen Aktienuniversums.
Während der FuW Swiss 50 Index bereits im Jahr 2021 von den Experten der «Finanz und Wirtschaft» entwickelt wurde, hat die SIX erst im April den SMI Equal Weighted als alternative, gleich gewichtete Variante im Angebot, um die Konzentrationsrisiken zu reduzieren. Obwohl die Schwäche des traditionellen SMI seit Jahren bekannt ist, hat der Börsenbetreiber also erst jetzt reagiert. Dies zeigt, dass der FuW Swiss 50 Index seiner Zeit voraus war. Damit das auch so bleibt, wird die Benchmark regelmässig «entstaubt». Der aktuelle Frühjahrsumbau fällt besonders umfangreich aus. Vier Titel kommen neu hinein: Allreal, Mobimo, Banque Cantonale Vaudoise (BCV) und Cembra Money Bank. Alle vier starten mit einer Gewichtung von je 1.3%. Den Index verlassen dagegen Siegfried und Sunrise mangels genügend Grösse im Indexuniversum, während Amrize herausfällt, weil das Holcim-Spin-off künftig als US-Unternehmen mit Zweitkotierung in der Schweiz eingeordnet wird.
Der Mechanismus hinter dem Rebalancing ist bewusst nüchtern. Für eine Aufnahme zählen nicht Geschichten, sondern klare Regeln: Handelshistorie, Liquidität und Free-Float-Marktkapitalisierung. Das Reglement verlangt, dass eine Aktie in den sechs Monaten vor dem Auswahlstichtag im Tagesdurchschnitt mindestens CHF Mio. 5 Handelsvolumen erreicht. Erst danach erfolgt die Einordnung in die beiden festen Gewichtungsklassen. Gerade in einem Markt, in dem einzelne Titel an der Schwelle zwischen Auf- und Abstieg pendeln, erklärt das die erstaunliche Beweglichkeit des Index. Ausser Mobimo waren denn auch alle Neuzugänge schon einmal im FuW Swiss 50 vertreten. Die grösseren 25 Titel erhalten jeweils 2.7% Gewicht, die kleineren 25, zu denen auch das Aufstiegsquartett zählt, jeweils 1.3%.
Dieses Raster wird zweimal pro Jahr, jeweils im Mai und im November, auf die ursprünglichen Zielwerte zurückgesetzt. Das Ergebnis ist also kein Index, der den Markt einfach nach Grösse abbildet, sondern einer, der Marktbreite quasi erzwingt. Gerade deshalb ist er für viele Anleger mehr als nur eine Alternative zum SMI. Ein Blick auf die Performance zeigt, dass sich der Ansatz bislang bewährt hat: Auf Sicht von zehn Jahren hat sich der Wert des Index mehr als verdoppelt.
Quelle: LSEG