Einmal mehr blickt die Welt gebannt in Richtung Naher Osten. Am Morgen des 28. Februar haben Israel und die USA damit begonnen, den Iran anzugreifen. Bei den Attacken kamen das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei und weitere hochrangige Politiker und Militärs des Landes ums Leben. Der Iran reagiert mit Raketen- und Drohnenattacken auf Israel und andere Staaten der Region. Gleichzeitig drohte Teheran mit einer Blockade der Strasse von Hormus. Dadurch rückte ein Nadelöhr der Weltwirtschaft in den Fokus. Über die zwischen Iran und Oman gelegene Meerenge fahren Schiffe vom Persischen Golf in den Golf von Oman und dann weiter auf das offene Meer. Laut Zahlen der Analysefirma Kpler sind auf den beiden jeweils 3 Kilometer breiten Fahrrinnen 30% des täglich auf dem Seeweg beförderten Rohöls unterwegs. Hinzu kommen grossen Mengen an Benzin sowie Diesel, Flüssiggas (LNG) und Flugbenzin (Kerosin). «Die Strasse von Hormus ist der weltweit wichtigste Engpass für die Energieversorgung», stellte Kpler zu Beginn des Krieges fest. Eine Blockade könnte daher für simultane Lieferschocks in verschiedenen Rohstoffsegmenten sorgen.
Neben der Furcht vor Attacken – an den ersten Tagen des Konflikts wurden bereits Schiffe angegriffen – sorgte der fehlende Versicherungsschutz für einen massiven Stau von Tankern. Mehrere Assekuranzen haben angekündigt, ihre Policen zur Deckung von Kriegsrisiken in der Region zu kündigen. Vor diesem Hintergrund überrascht die heftige Reaktion der Rohstoffmärkte nicht. Seit dem Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran verteuerte sich ein Fass der Nordseeölgattung Brent um annähernd die Hälfte. Der Energieträger erreichte damit das höchste Niveau seit dem Sommer 2022. Die auf Benzin und europäischem Erdgas basierenden Terminkontrakte reagierten mit noch deutlich stärkeren Ausschlägen nach oben.
Zu einem guten Teil handelt es sich bei den jüngsten Avancen um die Einpreisung einer Risikoprämie, denn von einem Energieengpass kann prinzipiell nicht die Rede sein. In ihrer zwei Wochen vor Kriegsausbruch veröffentlichten Prognose rechnete die U.S. Energy Information Administration (EIA) für 2026 zwar mit einem rekordhohen weltweiten Ölverbrauch von durchschnittlich 104.8 Mio. Barrel pro Tag, doch sollte die Produktion diese Menge um mehr als 3 Mio. Fass täglich übertreffen. Schon jetzt sind die globalen Lagertanks prall gefüllt. Der Internationalen Energieagentur IEA zufolge haben die weltweiten Ölvorräte 2025 um 477 Mio. auf knapp 8.2 Mrd. Barrel zugenommen. Vor allem China hat die Tanks gefüllt und seine Bestände im vergangenen Jahr um 111 Mio. Fass ausgestockt. Die Menge des auf dem Meer in Schiffen zwischengelagerten Öls nahm sogar um 248 Mio. Barrel zu – bei nahezu drei Vierteln dieser Menge soll es sich um sanktionierte Ware handeln. Nach Ansicht von Commerzbank Commodity Research würden die gesamten weltweiten Vorräte einen Komplettausfall der Lieferungen durch die Strasse von Hormus für ein Jahr abdecken.
Die Analysten betonen jedoch, dass es sich hierbei um eine theoretische Annahme handelt. In der Praxis könnte eine vollständige Blockade der Meerenge das Ölangebot um rund ein Fünftel einbrechen lassen. Die weiteren Aussichten hängen also stark davon ab, wie sich der Konflikt entwickelt. Sollte sich die Lage im Nahen Osten entspannen, könnte es schnell zu einer Reduzierung der Risikoprämie respektive einem Rückgang des Ölpreises kommen. Fest steht, dass die jüngsten Geschehnisse auch die Aktien des Sektors in den Fokus rücken. J.P. Morgan spricht sogar von einem «Game Changer» für die europäischen Ölmultis. Die führenden Konzerne auf dem alten Kontinent profitieren nach Ansicht der US-Analysten von tiefen Kosten, einer günstigen Bewertung und soliden Reserven. Die Experten der Citigroup stossen in dasselbe Horn und erachten Energieaktien als attraktiv bewertet. Nicht nur auf dem alten Kontinent zeigt der Sektor viel Momentum. US-Ölmultis wie Exxon Mobil oder Chevron waren an der Wall Street Anfang März schwer angesagt.
Stand: 01. März 2026; Quelle: Kpler
Stand: 12 März 2026; Quelle: Reuters Historische Daten sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen.