{"summary":"In den vergangenen Quartalen war der Leitsatz der Wall Street relativ einfach: Wer vom KI-Boom profitieren möchte, kauft die Hersteller der rechnerischen Schwerindustrie. Nvidia, Micron, Broadcom oder AMD galten als erste Anlaufstelle, weil ohne GPUs, High-Bandwidth-Memory und Netzwerktechnik kein einziges grosses Sprachmodell trainiert und keine Inferenz in grossem Stil ausgeliefert werden kann. 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Diese Schlussfolgerung hat die Kurse der Chipbranche in atemberaubendem Tempo nach oben getrieben. Trotz des j&uuml;ngsten Schw&auml;cheanfalls liegt der Gradmesser der Branche, der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), seit September vergangenen Jahres noch immer um mehr als 120% im Plus. Zum Vergleich: Ein von der UBS zusammengestellter Hyperscaler-Korb notiert im selben Zeitraum leicht im Minus. Damit steht fest, dass der KI-Hype am Aktienmarkt zun&auml;chst eine nahezu reine Hardwaregeschichte war.<\/p>\n<h3>&Uuml;berhitzte Chips<\/h3>\n<p>Doch die Vergangenheit lehrt, dass Einbahnstrassen an der B&ouml;rse selten lange Bestand haben. Und so setzt sich seit einigen Wochen ein anderes Bild durch. Wurden beispielsweise Alphabet, Amazon und Meta im Juni noch deutlich abverkauft, w&auml;hrend der Chipindex um 11% zulegte, kehrte sich die Dynamik nun um. Viele der Magnificent-Seven-Titel stabilisierten sich. Auch die Nervosit&auml;t rund um den KI-Hype ist sichtbar gestiegen. Anfang Juni vernichtete ein Ausverkauf im Halbleitersektor mehr als USD Bio. 1 an B&ouml;rsenwert, nachdem Investoren bei Broadcom &amp; Co. zittrig auf die Frage reagierten, ob der Ausbau der KI-Infrastruktur wirklich in derselben Geschwindigkeit weiterlaufen kann. Die Vorzeichen vertauschen sich also allm&auml;hlich: Statt nur die Ausr&uuml;ster zu feiern, schauen Marktteilnehmer wieder st&auml;rker auf die Betreiber der KI-Plattformen.<\/p>\n<h3>&laquo;Peak Rate of Change&raquo;<\/h3>\n<p>Die zentrale Ursache daf&uuml;r liegt weniger in schwachen Fundamentaldaten als in einer Ver&auml;nderung des Erwartungsprofils. So argumentieren die Experten von Morgan Stanley, dass die Speicherbranche zwar weiter von KI profitiert, sich aber dem &laquo;Peak Rate of Change&raquo; n&auml;hert &ndash; also jenem Punkt, an dem nicht mehr die Gewinne selbst, sondern das Tempo ihrer Beschleunigung den H&ouml;hepunkt erreicht. Preissteigerungen bei Memory-Chips verlangsamen sich, die Inventarsituation hat sich deutlich entspannt und die Gewinnrevisionen f&uuml;r zahlreiche Titel fielen bereits aussergew&ouml;hnlich positiv aus. Diese Kombination ist heikel, da die Unternehmen zwar weiterhin gut verdienen, aber die Aktien zu konsolidieren beginnen, weil die Kurse schon viel Zukunft vorweggenommen haben. Versch&auml;rfend kommt laut Morgan Stanley hinzu, dass der Memory-Bereich zu den am st&auml;rksten &uuml;berlaufenen Trades weltweit geh&ouml;rt. Wenn in einem solchen Umfeld selbst kleine Entt&auml;uschungen auftreten, wird aus Gewinnmitnahmen schnell ein r&uuml;ckw&auml;rts laufender Herdeneffekt.<\/p>\n<h3>Monetarisierung im Fokus<\/h3>\n<p>Der zweite Grund f&uuml;r eine m&ouml;gliche Rotation weg von Chips hin zu Hyperscalern ist strategischer Natur. Marktteilnehmer blicken inzwischen &uuml;ber den n&auml;chsten Halbleiterzyklus hinaus und begeben sich auf die Suche nach jenen Unternehmen, die KI wirklich monetarisieren. Hier kommen die Hyperscaler ins Spiel. Wenn die grossen Cloud- und Plattformkonzerne ihre Rechenzentren besser auslasten, eigene Modelle und Agenten produktiv in ihre &Ouml;kosysteme einbauen und die Billionen an Kundenkontakten zu Geld machen, verschiebt sich die Wertschaffung von der Hardware- hin zur Plattformebene. Morgan Stanley verweist zus&auml;tzlich auf die Sorge vor ungenutzter Rechenkapazit&auml;t, die weiterverkauft oder vermietet werden k&ouml;nnte. Dies wiederum w&uuml;rde den bisherigen Preisdruck bei GPUs und Speicher aufgrund der Knappheit entspannen.<\/p>\n<p><\/p>\n<div><generic-chart title=\"Philadelphia Semiconductor Index\"> <chart-line title=\"SOX\" path=\"line_SOX_july2026.csv\" format=\"date, number\"><\/chart-line> <x-axis type=\"datetime\"><\/x-axis> <\/generic-chart><\/div>\n<p>Quelle: LSEG<\/p>","adHoc":false,"headline":"Hyperscalers: Rotation im KI-Boom","imageThumbnail":"/contentAsset/resize-image/0caa9d1e-4b7f-41c1-a1d2-05ed8ac2bf2f/fileAsset/w/770"}
         